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Unsere heutige Gesellschaft ist ohne Interkulturalität nicht denkbar. Derzeit stammen die Einwohner Berlins aus circa 190 unterschiedlichen Nationen. Das ist kein neues Phänomen, sondern ein wesentlicher Vorgang der Kulturentwicklung seit Menschengedenken. Erlebte Differenzen aufgrund von unterschiedlichen Wertesystemen, Lebensformen und Religionszugehörigkeit, bieten so manchenteils auch konstruktiven Konfliktstoff.

Der Verein Aufbruch Neukölln e.V. möchte auf diese Themenkreise eingehen und dabei vor allem mehr über das persönliche Erleben nicht homogener Identitäten erfahren und dies mit zahlreichen Menschen diskutieren. Im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie Leben« führen wir das Projekt »Dialog - Aufbruch aus Neukölln« mit vier Modulen durch.

Hauptziel ist es, die Kommunikation zwischen unterschiedlichsten Gruppen von Menschen zu ermöglichen und zu fördern, um bestehende bewusste und unbewusste, insbesondere kulturspezifische Vorurteile zwischen den Gruppen zu thematisieren und abzubauen. Dabei zielen wir auch darauf ab, politisch intendierte Haltungen und Verhaltensweisen, die gegen andere Gruppen gerichtet sind, bewusst zu machen und sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Damit wird gruppenbezogener Aggressivität und Menschenfeindlichkeit entgegengewirkt und ein Grundverständnis für Toleranz erzeugt. Um das Hauptziel zu erreichen, werden folgende Module umgesetzt.

Woche der Sprache und des Lesens

"Woche der Sprache und des Lesens deutschlandweit vom 18. bis 26. Mai 2019"

Die Sprache ist das wertvollste Kommunikationsinstrument in unserer Gesellschaft und doch droht sie ihren Stellenwert zu verlieren. Wir wollen mit einer deutschlandweiten »Woche der Sprache und des Lesens« positive Akzente setzen und dieser Entwicklung gestaltend entgegenwirken. Wir wollen den Angehörigen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Sprachen die Chance geben, den vielfältigen Reichtum der Sprache und des Lesens zu erleben. Wir finden: jede Sprache ist schützenswert! Gerade jetzt, wo so viele Menschen eine neue Heimat in Europa und auch in Deutschland suchen, wollen wir die Wichtigkeit der Kommunikation und Sprache als verbindendes Element hervorheben und im ganzen Land sichtbar machen.

Die Kulturtechniken Sprache und Lesen sind historisch gewachsen und bedürfen der immerwährenden Pflege. Wer miteinander redet tauscht Argumente aus, keine Fäuste. Sprache ist kein Garant für Frieden, stellt aber Verständnis her. Für alle Menschen, die in Deutschland leben, sind im Rahmen der »Woche der Sprache und des Lesens« eine Vielzahl von Angeboten und Veranstaltungen geplant. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf Kindern und Jugendlichen sowie Flüchtlingen liegen.

Ein wichtiges Element der »Woche der Sprache und des Lesens« ist eigenes Engagement. Partizipieren und damit Werte mitgestalten kann jeder, Einzelpersonen, Vereine,  Institutionen. Die selbstorganisierten Veranstaltungen dienen der Stärkung demokratischer Haltungen und bilden einen positiven Bezug zu gesellschaftlicher Vielfalt und heterogenen Lebensentwürfen.

Dialogveranstaltungen – interkulturell / interreligiös

Es sind Veranstaltungen mit Akteuren unterschiedlicher Gruppenzugehörigkeit geplant. Eine interreligiöse Dialog - veranstaltung wird es zum Ende des Ramadan geben und zum Tag der Menschenrechte im Dezember eine interkulturelle Dialogveranstaltung. Gezielt wird hier die Stärkung von demokratischen Haltungen gefördert und ein positiver Bezug zu gesellschaftlicher Vielfalt durch Kennenlernen hergestellt. Themenkreise, Ideen und Möglichkeiten sollen ausgetauscht und diskutiert werden. Die Veranstaltungen mit unterschiedlichen Einrichtungen wirken auf deren einzelne Mitglieder als Vorbild für deren individuelle Handlungen, ermutigen, festgefahrene Grenzen zu überschreiten, da die eigene Community es erlaubt. So können auch Multiplikatoren, Mitmacher/innen, Botschafter/innen und Kooperationspartner/innen gewonnen werden.

Väter- und Männergruppen

Die Gruppenarbeit dient der Prävention von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Konflikten in der Einwanderungsgesellschaft, die insbesondere herkunfts- und milieuspezifische Ausformungen berücksichtigen. Themen in der von Kazım Erdoğan in Neukölln ins Leben gerufenen Vätergruppe sind unter anderem frühkindliche Erziehung, Sprachförderung, unterschiedliche Schulsysteme in Deutschland und den Herkunftsländern, Zusammenarbeit der Eltern mit den Bildungseinrichtungen, die Rolle des Islam, die Stellung der Frau in der europäischen Gesellschaft .

Ausgehend von den guten Erfahrungen in Neukölln werden die Multiplikatoren befähigt, ihre eigenen Stärken zu erkennen und sie zur Konfliktbearbeitung einzusetzen und wirken dadurch als nachahmenswerte Vorbilder in ihrer jeweiligen Region. Für Interessenten an der Arbeit mit Väter- und Männergruppen werden zwei Schulungswochen durchgeführt. Auch die Betreuung neu entstandener Gruppen ist möglich. Es wird Kontakt hergestellt zu unterschiedlichen Kommunen und Trägern, die Handlungsbedarf sehen und aktiv Väter- Männergruppenarbeit betreiben wollen. Auch der Kontakt mit Trägern und Fachleuten, die das Angebot etablieren möchten, wird gesucht.

Deine Zukunft in deinem Kopf

Die Idee ist, einen Ort zu schaffen, an dem Fragen ohne Tabus gestellt werden dürfen. Vertrauenspersonen mit Fachwissen vermitteln Sachverhalte, die im Unterricht möglicherweise zu kurz kommen und über die zu Hause nicht gesprochen wird. Fragen nach der Identität – woher komme ich – wohin will ich – wohin kann ich kommen – welche Zukunft stelle ich mir vor, werden aus der Sicht des Einzelnen und der Gruppe beleuchtet. Welche Themen besprochen werden, entscheiden die Teilnehmer/innen .

Ziel hierbei ist der Abbau von Rassismus, Ressentiments und allen Formen der Ausgrenzung und Stigmatisierung. Dazu müssen sich die Jugendlichen Ihrer eigenen Identität und ihrer Stärken bewusst werden. Dadurch wird ihre Fähigkeit, Probleme und Konflikte zu lösen, gestärkt und sie werden zu einer demokratischen Diskussionskultur befähigt. Die Jugendlichen erhalten durch ein stärkeres Selbstvertrauen in ihre Individualität einen festen Standpunkt in ihrem sozialen Gefüge und werden stabiler in ihrem Sozialverhalten und kompetenter in kontroversen Diskussionen. Entladung in Aggression wird reflektiert und Ursachen werden beleuchtet. Eine Entwicklungstendenz zur Verbalargumentation startet.

Zielgruppe sind Schüler ab Klasse 7, insbesondere solche, die in schwierigen häuslichen Verhältnissen groß werden. Der Migrationshintergrund spielt sicher oft eine Rolle, ist aber nicht vordergründig von Bedeutung. Das Diskussionsforum kann auch Jugendliche verschiedener Gruppenzugehörigkeit zu Gesprächen miteinander bringen.

Die Fachkräfte des Projektes treffen sich mit den Schulsozialarbeitern und Vertrauenslehrern, um das Projekt vorzustellen. Die Angebote werden in den Klassen kommuniziert und können auch mit Unterrichtsaufträgen oder Unterrichtsthemen verknüpft werden. Das Gesprächsangebot ist 1 -2 mal pro Woche geplant, jeweils circa 2 Stunden für bis zu 12 Schüler. Zu wünschen wären stabile Gruppen, Bedingung ist es aber nicht. Einmal im Monat soll es ein Fachkräftetreffen geben zwecks Auswertung und Schlussfolgerungen für eine konstruktive Weiterentwicklung des Projektes. Wenn kritische Problemlagen dies erfordern ist externes Feedback und ggf. supervisorische Unterstützung möglich.

Originalbeitrag Projektbeschreibung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Projekthomepage

Das Projekt »Dialog - Aufbruch aus Neukölln« wird